So er­gänzt fle­xi­ble Mo­bi­li­tät den ÖPNV

Fle­xi­ble Mo­bi­li­tät be­deu­tet mehr, als nur Bus und Bahn zu nut­zen. Immer stär­ker rü­cken An­ge­bo­te wie E-​Roller-Sharing, Fahr­rad­ver­leih und Co. in den Fokus.

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Bei öf­fent­li­chem Per­so­nen­nah­ver­kehr, kurz ÖPNV, den­ken viele wahr­schein­lich an Busse und Bah­nen, die Pend­ler*innen an ihr Ziel brin­gen. Doch mit einem Blick in die In­nen­städ­te wird klar: ÖPNV ist mitt­ler­wei­le viel mehr als das. E-​Roller, Leih­fahr­rä­der, Car­sha­ring, Park-​and-Ride-Plätze und fle­xi­ble Fahr­diens­te er­wei­tern in zahl­rei­chen NRW-​Städten das Mo­bi­li­täts­an­ge­bot. Wäh­rend neue­re An­ge­bo­te wie E-​Scooter von ei­ni­gen Bür­ger*innen kri­tisch be­trach­tet wer­den, brin­gen sie an­de­ren neue Per­spek­ti­ven für eine fle­xi­ble­re, um­welt­freund­li­che­re und schnel­le­re Fort­be­we­gung. An­ge­bo­te eta­blier­ter Ser­vices, bei­spiel­wei­se der Leih­fahr­rä­der, sind da­hin­ge­gen nicht mehr weg­zu­den­ken: Schnell auf den Sat­tel ge­schwun­gen – und ab zum Bahn­hof, zu Freund*innen oder nach Hause.

Info

Be­son­ders jün­ge­re Per­so­nen zwi­schen 16 und 19 Jah­ren sind schon heute mul­ti­mo­dal un­ter­wegs. Das be­deu­tet, sie nut­zen für ihre all­täg­li­chen Stre­cken nicht pri­mär ein ein­zel­nes Ver­kehrs­mit­tel, son­dern va­ri­ie­ren in ihrem Mo­bi­li­täts­mix.

Mit dem in­di­vi­du­el­len Mo­bi­li­täts­mix bes­ser ans Ziel kom­men

Dass ein­zel­ne An­ge­bo­te den klas­si­schen ÖPNV er­set­zen oder von der größ­ten Masse ver­wen­det wer­den, ist nicht das Ziel. Viel­mehr sol­len sie den Nut­zer*innen eine brei­te Pa­let­te an Op­tio­nen bie­ten, um klas­si­sche Ver­kehrs­mit­tel wie Bus und Bahn zu er­gän­zen und so den Ver­zicht auf einen ei­ge­nen Pkw zu er­leich­tern. Dort, wo in NRW heute noch Lü­cken im ÖPNV-​Netz be­stehen, kön­nen neue Ver­kehrs­for­men Ab­hil­fe schaf­fen – so­wohl in Städ­ten als auch in länd­li­chen Re­gio­nen.

Mit dem E-​Scooter zur Bahn und dem Rad zum Ziel

Zah­len des Bun­des­in­sti­tuts für Bau-, Stadt-​ und Raum­for­schung zei­gen: Auch für kurze Stre­cken unter einem Ki­lo­me­ter Länge stei­gen viele Bür­ger*innen ins Auto. In Städ­ten mit bis zu 20.000 Ein­woh­ner*innen wer­den 56 Pro­zent der Wege zwi­schen 800 und 1.000 Meter mit dem Auto zu­rück­ge­legt. Und auch in Groß­städ­ten stei­gen 58 Pro­zent der Men­schen für einen Weg von nur ein bis zwei Ki­lo­me­tern in ihren Pkw. Genau hier sol­len neue Mo­bi­li­täts­for­men an­set­zen: Der mor­gend­li­che Weg zum Bahn­hof, der kurze Ab­ste­cher in die In­nen­stadt oder die sonn­täg­li­che Fahrt zur Bä­cke­rei kön­nen dank E-​Scooter oder Leih­fahr­rad kom­for­ta­bel und ohne mo­to­ri­sier­ten Fahr­un­ter­satz er­le­digt wer­den. Das sorgt nicht nur für mehr Platz und we­ni­ger Stau auf den Stra­ßen, son­dern auch für einen ge­rin­gen CO2-​Austoß. Die Nut­zer*innen kön­nen sich zudem über mehr Be­we­gung, fri­sche Luft und we­ni­ger Stress freu­en.

E-​Scooter vs. E-​Roller

Ob­wohl oft als Syn­ony­me ver­wen­det, han­delt es sich bei die­sen bei­den Rol­ler­for­men nicht um das glei­che Fort­be­we­gungs­mit­tel.

E-​Scooter

Unter E-​Scooter ver­steht man die klei­nen, elek­tro­nisch un­ter­stüt­zen Tret­rol­ler, die es von zahl­rei­chen An­bie­tern in den NRW-​Städten gibt. Die­ser wer­den via App frei­ge­schal­tet und eig­nen sich be­son­ders gut für kurze „Zu­brin­ger­fahr­ten“ oder spon­ta­ne Nut­zung.

E-​Roller

E-​Roller sind hin­ge­gen elek­tri­sche Ver­sio­nen der klas­si­schen Rol­ler mit Ver­bren­nungs­mo­tor, die im nor­ma­len Stra­ßen­ver­kehr un­ter­wegs sind. Ohne Ben­zin und Aus­puff, dafür aber mit leis­tungs­star­kem Elek­tro­mo­tor, sind die Flit­zer leise, kom­for­ta­bel und um­welt­freund­lich un­ter­wegs – da darf die Stre­cke auch gerne mal län­ger wer­den.

So wer­den auch län­ge­re Fahr­ten um­welt­freund­lich und stadt­ver­träg­lich

Nicht immer ist der Weg nur ein paar Meter kurz: In die­sem Fall kann sich die Fahrt auf dem E-​Scooter ganz schön in die Länge zie­hen. Mit einem E-​Roller da­ge­gen las­sen sich auch wei­te­re Stre­cken leise, kli­ma­ver­träg­lich und ohne An­stren­gun­gen zu­rück­le­gen. Eine wei­te­re kom­for­ta­ble Mög­lich­keit ist die Nut­zung von On-​Demand-Diensten: Wenn im Hei­mat­ort der Bus nur ein­mal pro Stun­de fährt, da sich eine hö­he­re Tak­tung nicht ren­tie­ren würde, kön­nen An­woh­ner*innen vie­ler­orts auf On-​Demand-Angebote zu­rück­grei­fen.

Kurz und kom­pakt: Was sind On-​Demand-Fahrdienste?

On-​Demand-Dienste sind im weit­ge­fass­ten Sinn eine Mi­schung aus Bus und Taxi. Auf Abruf und ohne fest­ge­leg­te Linie sam­melt ein Shut­tle Per­so­nen ein und bringt sie ans Ziel. Der Vor­teil: Spon­ta­ne Fahr­ten, vor allem im länd­li­chen Raum, sind damit kein Pro­blem mehr. Durch den Sharing-​Charakter kön­nen ähn­li­che Rou­ten von meh­re­ren Fahr­gäs­ten in einem Fahr­zeug zu­sam­men­ge­fasst wer­den. Das be­deu­tet: We­ni­ger Fahr­zeu­ge – vor allem im Ver­gleich zum Taxi oder pri­va­ten Pkw – sind auf den Stra­ßen un­ter­wegs und die Kos­ten tei­len sich auf alle Pas­sa­gier*innen auf. Zudem sind die neuen Fahr­zeu­ge oft rein elek­trisch be­trie­ben und zu­künf­tig po­ten­zi­ell au­to­nom – also ohne Fah­rer*in – un­ter­wegs.

Fle­xi­ble An­ge­bo­te in NRW

Von Bike­sha­ring bis hin zu E-​Scootern gibt es in NRW zahl­rei­che An­ge­bo­te, um die Mo­bi­li­tät ver­netz­ter zu ge­stal­ten. In Müns­ter bei­spiels­wei­se bie­ten die On-​Demand-Shuttle von LOOP­müns­ter Nah­ver­kehr auf Be­stel­lung: Bis zu sechs (ak­tu­ell auf­grund der Corona-​Beschränkungen vier) Fahr­gäs­te kön­nen in dem E-​Auto ohne feste Fahr­zei­ten und Li­ni­en, aber mit ihrem ÖPNV-​Ticket, un­ter­wegs sein. Wer kom­for­ta­bel durch Aa­chen fah­ren möch­te, kann auf die E-​Bikes von Ve­lo­ci­ty Aa­chen zu­grei­fen – die Sta­tio­nen sind im ge­sam­ten Stadt­ge­biet ver­teilt. Und falls du einen Leih­wa­gen be­nö­tigst, fin­dest du bei cam­bio Car­sha­ring das pas­sen­de Fahr­zeug: Der An­bie­ter stellt in ganz Nordrhein-​Westfalen Autos zur Ver­fü­gung, die du be­quem re­ser­vie­ren kannst. Wel­che An­ge­bo­te für mul­ti­mo­da­le Mo­bi­li­tät es in dei­ner Stadt gibt, er­fährst du mit we­ni­gen Klicks in un­se­rer in­ter­ak­ti­ven Über­sicht.

Zur in­ter­ak­ti­ven Über­sicht

Mul­ti­mo­dal in Rich­tung Mo­bi­li­tät von mor­gen

56 Pro­zent der Ju­gend­li­chen sind laut einer Un­ter­su­chung von Mo­bi­li­tät in Deutsch­land mul­ti­mo­dal un­ter­wegs. Doch nicht nur ohne Füh­rer­schein ist diese Art der Fort­be­we­gung in­ter­es­sant: Per­so­nen, die vor­her für ei­ni­ge Stre­cken nur das ei­ge­ne Auto zur Ver­fü­gung hat­ten, kön­nen vie­ler­orts auf eine viel­sei­ti­ge Aus­wahl zu­grei­fen. Durch zahl­rei­che An­bie­ter auf dem Markt kön­nen sich Nut­zer*innen ihr Ver­kehrs­mit­tel der Wahl aus­su­chen – und so noch stress­frei­er, um­welt­freund­li­cher und fle­xi­bler ans Ziel kom­men. Eine flä­chen­de­cken­de Nut­zung neuer An­ge­bo­te kann so Bal­lungs­räu­me vor dem Ver­kehrs­chaos be­wah­ren, un­se­re In­nen­städ­te at­trak­ti­ver für An­woh­ner*innen und Be­su­cher*innen ge­stal­ten sowie länd­li­che­re Re­gio­nen bes­ser an­bin­den.